Wenn Starlink im Schatten steht: Sardinien mit Starlink Mini, ein 15-Franken-Abo und ein Blick auf die neue Starlink V5
Starlink im Wohnmobil klingt nach Freiheit: überall Netz, egal wie abgelegen der Platz. Vier Wochen Sardinien mit BLUEFIRE haben mir gezeigt, wo diese Rechnung nicht aufgeht. Die Starlink Mini war dabei, und dann stand das Wohnmobil unter Pinien im Schatten. Genau dort, wo Satelliten-Internet aufhört zu funktionieren. Gerettet hat mich ein Handy-Abo für CHF 14.95. Und kaum zuhause, stellt SpaceX das neue V5 vor. Zeit für eine Bilanz.
🗺️ Die Route: 1’920 Kilometer und eine Nachtfähre

Los ging es am 5. Juni in Neuenegg, über den Simplonpass nach Domodossola, weiter via Parma nach Livorno und mit der Grimaldi-Nachtfähre nach Olbia. Drei Wochen Basis war der Camping Cala Ginepro bei Orosei an der sardischen Ostküste. Ende Juni zurück über Livorno, diesmal durchs Aostatal und durch den Grossen St. Bernhard. Der Tracker zählte 1’920 Kilometer ohne Fähre. Die kostete hin und zurück 727.99 Euro für 8.85 Meter Wohnmobil.
🌡️ Als die Dometic streikte: die Zwei-Klima-Strategie zahlt sich aus
Mitten auf Sardinien, bei sardischer Junihitze, hat die Dometic FreshJet 3000 auf dem Dach den Dienst quittiert. Der denkbar schlechteste Zeitpunkt am denkbar schlechtesten Ort: keine Werkstatt in der Nähe, kein Ersatzteil, keine Aussicht auf eine schnelle Reparatur.
Gerettet hat die Reise eine Entscheidung, die ich vor Jahren getroffen habe und die mir seither manche Diskussion eingebracht hat: BLUEFIRE hat zwei Klimaanlagen. Auf dem Dach die Aufdachanlage, und dazu die Truma Saphir im Innenraum. Doppelt Gewicht, doppelt Kosten, doppelt Platzbedarf, und die Rückfrage ist immer dieselbe: Braucht es das wirklich?
Auf Sardinien lautete die Antwort ja. Die Saphir hat übernommen und den Rest der Reise gerettet. Kein Abbruch, keine Notlösung, keine schlaflosen Nächte. Genau dafür ist Redundanz da: Sie kostet die ganze Zeit Geld und Platz und zahlt sich an genau einem Tag komplett zurück. Wer mit Hunden unterwegs ist, rechnet ohnehin anders. Shanti und Gino können sich nicht in den Schatten setzen und warten, bis die Ersatzteillieferung kommt.
Zuhause ist die Dometic inzwischen Geschichte. Seit dem 8. Juli sitzt eine Truma Aventa Comfort 2G auf dem Dach, bewusst ohne iNet X Connect: zu teuer für den Nutzen, und die Steuerung per IR-Fernbedienung reicht mir. Die Zwei-Klima-Strategie bleibt damit bestehen, jetzt einfach mit frischer Hardware oben. Der erste richtige Test kommt bald, denn es geht damit ins Tessin.
📡 Starlink im Wohnmobil scheitert an einem Baum 🌲
Sardinien im Juni bedeutet Hitze, und nach dem Ausfall auf dem Dach erst recht. Ich habe BLUEFIRE deshalb unter die Pinien gestellt, was für Mensch und Hund goldrichtig war. Für den Starlink Mini war es das Aus. Die Antenne braucht freie Sicht zum Himmel, und ein dichtes Pinienschirmdach ist kein Kompromiss, sondern eine Wand. Kein brauchbarer Empfang, Punkt.
Man kann das natürlich lösen: Antenne raus in die Sonne, 15 Meter Kabel quer über den Platz. Nur will das niemand, der drei Wochen an einem Ort steht und nicht jeden Tag über ein Kabel stolpern möchte. Die ehrliche Erkenntnis nach vier Wochen: Der Standort entscheidet über Starlink, nicht die Hardware. Wer im Sommer den Schatten sucht, sucht damit automatisch den Funkschatten.
📱 Plan B für 14.95 Franken
Kurz vor der Abreise hatte ich bei MTEL das Abo „Sweazy Extreme“ abgeschlossen, und auf Sardinien wurde daraus der Hauptanschluss statt der Notnagel. Regulär kostet es 24.95 Franken pro Monat, mit dauerhaftem Rabatt von 10 Franken bleiben 14.95. Dafür gibt es unlimitierte Daten in der Schweiz, davon 300 GB mit 5G-Fullspeed, dazu 120 GB Roaming für EU, UK und Norwegen. Ohne Mindestvertragsdauer, im Salt-Netz.
Die SIM steckt im Teltonika-Router von BLUEFIRE, der ohnehin eine Failover-Kette abarbeitet: erst Starlink, dann SIM 1, dann SIM 2. Auf Sardinien ist die Kette schlicht eine Stufe tiefer gerutscht und dort geblieben. Videocalls, Streaming, Blog-Arbeit, alles lief. Die 120 GB haben für drei Wochen locker gereicht.
Was das für die Rechnung bedeutet, ist unbequem: Eine Starlink-Anlage plus Abo kostet ein Vielfaches. Auf dieser Reise hat das Handy-Abo die Arbeit gemacht, während der Mini im Stauraum lag. Wer ausschliesslich auf Campingplätze in Europa fährt, muss sich diese Frage ehrlich stellen.
🛰️ Starlink im Wohnmobil: Was die neue Starlink V5 taugt
Am 14. Juli, gut zwei Wochen nach meiner Rückkehr, hat SpaceX die Starlink V5 vorgestellt. Es ersetzt das bisherige Standard-Dish und ist vor allem eine Effizienz-Übung: 384 × 306 × 34 mm, 1.1 kg statt 2.9 kg beim V4. Der Verbrauch fällt von 75 bis 100 Watt auf 35 bis 50 Watt, also etwa die Hälfte. Tempo bis 375+ Mbps, Windfestigkeit bis 265 km/h statt bisher 96 km/h, Schneeschmelze bis 40 mm pro Stunde, LED-Statusanzeige direkt am Dish.
Für Wohnmobilisten sind zwei Punkte entscheidend: Die V5 ist nicht für den Betrieb während der Fahrt freigegeben, und es hängt am Netzteil statt am 12-Volt-Bordnetz. Es ist ein Heimgerät.
| Starlink V5 | Starlink Mini | |
|---|---|---|
| 📐 Grösse | 384 × 306 × 34 mm | 298.5 × 259 × 38.5 mm |
| ⚖️ Gewicht Dish | 1.1 kg | 1.1 kg |
| ⚡ Speed | bis 375+ Mbps | bis 300+ Mbps |
| 🔋 Verbrauch | Ø 35–50 W | Ø 25–40 W |
| 📶 Router | separat (Wi-Fi 6) | integriert (Wi-Fi 5) |
| 🔌 Strom | Netzteil (AC) | 12–48 V DC direkt |
| 🚐 Betrieb in Fahrt | ❌ nein | ✅ ja (mit passendem Abo) |
| 💨 Windfestigkeit | bis 265 km/h | 96 km/h+ |
Erhältlich ist die V5 bisher nur in ausgewählten US-Regionen, einen Preis hat SpaceX nicht genannt, in der Schweiz ist es (noch) nicht gelistet.
🍽️ Gastronomie: die kulinarische Überraschung

Wer viel mit dem Wohnmobil unterwegs ist, kennt die Campingplatz-Gastronomie und hat sich damit abgefunden: Pizza vom Blech, lauwarme Pommes, Bier aus einer Zapfanlage mit Vergangenheit. Man geht hin, weil es praktisch ist, nicht weil es gut ist. Die Erwartungshaltung liegt bei knapp über null, und meistens wird sie punktgenau erfüllt.
Auf Cala Ginepro war das anders, und zwar deutlich. Das Restaurant des Campingplatzes kocht keine Touristenware, sondern sardische Küche mit Anspruch: Fregola mit Meeresfrüchten, Culurgiones, Seadas mit Honig zum Abschluss, dazu Weine aus der Region. Gegessen wird drinnen oder draussen unter dem Pinienschirm, mittags und abends, sieben Tage die Woche. Die Pizza kommt aus dem Holzofen, mit lange geführtem Teig, und man schmeckt den Unterschied im ersten Bissen.
Das ist selten genug, um es ausdrücklich zu erwähnen. Auf einem Platz dieser Grösse ist die Versuchung riesig, in der Küche auf Masse zu schalten. Hier hat offensichtlich jemand den Anspruch, richtig zu kochen, statt bloss satt zu machen. Nach 22 Nächten kann ich sagen: Das war kein Ausrutscher nach oben, das war das Niveau. Praktisch nebenbei: Es gibt einen Take-away-Service, wenn man den Abend lieber vor dem Wohnmobil verbringt.
Und damit hört es nicht auf. Zwei Adressen in Gehdistanz haben den Aufenthalt endgültig zu einer kulinarischen Angelegenheit gemacht. Das Juncu e Luna liegt rund 200 Meter entfernt direkt am Strand von Cala Ginepro: unkompliziert, herzlich, und was aus dem Meer kommt, kommt hier ohne Schnörkel und richtig gut auf den Teller. Krake, Calamari, Muscheln. Barfuss hin, satt zurück. Fünf Minuten in die andere Richtung, am Lungomare di Sa Curcurica, steht das Shango, und das spielt in einer anderen Liga: feiner, durchdachter, mit einer Aufmerksamkeit fürs Detail, die man an einem Strandabschnitt auf Sardinien nicht erwartet. Wer nach 22 Nächten immer noch gerne essen geht, sagt damit eigentlich alles.
Fazit für alle, die den Golfo di Orosei planen: Man kommt wegen des Meers und der Strände hierher. Man bleibt auch wegen der Küche.
✅ Mein Fazit
Die Mini bleibt für BLUEFIRE die richtige Antenne, daran ändert das V5 nichts: 12 Volt direkt, Betrieb während der Fahrt, Rucksackformat. Das V5 ist ein Heimgerät und für mich nur dann interessant, wenn ich wochenlang autark an einem Ort stehe und den halbierten Verbrauch brauche.
Die wichtigere Lektion dieser Reise hat nichts mit Hardware zu tun: Starlink im Wohnmobil ist grossartig, wenn man freien Himmel hat. Im sardischen Hochsommer will man den nicht. Deshalb gehört ins Wohnmobil beides, Starlink und eine gute SIM. Und wenn ich ehrlich bin: Auf dieser Reise hat die Zweitlösung für 15 Franken die Hauptarbeit geleistet.
Wie löst ihr das? Starlink, SIM, oder beides parallel? Schreibt es in die Kommentare.
Quellen: starlink.com, TeslaNorth, Glitchwire (Stand 15.07.2026), mtel.ch. V5-Preis und Europa-Verfügbarkeit bei Publikation offen.
Übrigens: Nach genau 2 Wochen zuhause, geht es morgen wieder los: Einige Tage im kühlen Jura, dann einige Wochen im Tessin wo ich dann gleich die neue Klimaanlage testen kann.
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Hallo Beat
Danke für den tollen Bericht und die schönen Fotos. Hatte mich auch mal für Starlink interessiert für unseren Wohnwagen. Wir haben uns dann aber für das Roaming mit unseren Mobile entschieden, ggf später ein Router mit (E)-SIM.
Grüsse, Hans-Jörg